— VEN

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Netzwelt

Lieber Roder Verlag,

Sagt doch beim nächsten Mal euren cholerischen Autoren, die nicht damit umgehen können, wenn jemand ihr Buch scheiße findet, dass sie sich lieber zurückhalten sollten.

Eine kurze Erklärung:
Das, was jetzt gerade passiert, nennt man den Streisand-Effekt.
Schuld, eigene.

Euer VEN

Jetzt wird langsam klar, warum sich Obama gegen SOPA ausgeprochen hat, obwohl er damit den Zorn Hollywoods auf sich gezogen hat:

Er singt einfach viel zu gerne.

Workingman’s Death ist ein Dokumentarfilm des Österreichers Michael Glawogger der sich damit auseinandersetzt,  unter welchen Bedingungen Menschen in heutiger Zeit noch körperliche Schwerstarbeit ausführen.

In Zusammenarbeit mit Doc Alliance Film bietet Zeit Online seit dem 12. Januar vier Wochen lang die Möglichkeit den Film in voller Länge zu sehen.

Zum Film geht es hier.

via kelly oxford

Ein kurzer dokumentarischer Abriss über die Musikentwicklung im Internet in den letzten 20 Jahren. Zu Wort kommen hierbei Jon Cohen (Mitbegründer des Labels FADER), Ryan Dombal (Redaktionsleitung Pitchfork), Blake Whitman (Vimeo) und Anthony Volodkin (Gründer Hype Machine). Alles in allem also Menschen, die sich damit auskennen.

The FADER
Pitchfork
Vimeo
Hype Machine

Off Book: The Evolution of Music Online from PBS Arts on Vimeo.

Ab und an stolpert man im Internet über großartige Ideen, die es geschafft haben zum Selbstläufer zu werden. So auch in diesem Falle. Angefangen hat es mit sechs Bildern, die Taylor Jones letztes Jahr im Mai online gestellt hat. Er taufte das Projekt “Dear Photograph”. Danach hat das Internet dann einfach alles weitere gemacht. Inzwischen hat die Seite 10 Millionen Hits und findet sich in der Liste der 10 besten Seiten des Time Magazins.

Es sind 20.000 Besucher täglich und Taylor hat inzwischen seinen alten Job als Social-Media-Experte an den Nagel gehängt und sich Zeit dafür genommen das Buch zum Blog zu schreiben.

Foto: Anonym via Dear Photograph

 

via brightstupidconfetti

Pop hat sich überlaufen. Ob damit eine Entwertung einhergeht und man den Diskurs somit beerdigen kann, soll nicht die Fragestellung sein. Es geht eher um den Faktor der Multiplikation, bedingt durch das Internet. Natürlich geht die ganze Geschichte viel früher los, nämlich damit, dass immer weniger von dem was in Subkulturen entstanden ist, durch den technischen Fortschritt auch zwangsläufig an diese gebunden sein musste.

und das Allerschlimmste, das es gibt
sind Ex-Punkbands, die heute Popsongs
spiel’n und dir die Welt erklären

Kettcar – Warum eigentlich Indie-Charts, Digger?

Denn Subkulturen gehören zu einem großen Teil der Vergangenheit an. Heutzutage kann sich niemand, der eine breite Masse erreichen will, vom Pop freisprechen, denn was anderes bitte ist das Internet, wenn nicht Pop? Dass die Vielfalt entsprechend der partizipierenden Menge extrem groß ist und die Struktur des Internets einfach dazu einlädt Pop als grundsätzliches Kulturkonzept zu etablieren, in dem es zwar Nischen gibt, die aber aufgrund des Longtails für jeden jederzeit zugänglich sind, hat in Bezug auf die Funktionalität des Kulturgutes dazu geführt, dass es sich der Diktatur der vorherrschenden Popästhetik anzupassen hat, da es ansonsten keine Wahrnehmung erfährt.

Das kann ganz unterschiedliche Auswüchste annehmen, zum Beispiel in Form der Generation Spiegelreflex die sich einer popkulturellen Ästhetik unterwirft, die, irgendwo zwischen American Apparel Werbungen und dem eigenen Wunsch bei dem Ganzen noch authentisch wirken zu wollen, zu einem Konstrukt verkommt.

Eine Aneinanderreihung von Klischees, die sich aus abgeschnittenen Körperteilen und der sehnsuchtsvollen Romantisierung des eigenen Ideals zusammensetzen und dabei nie den Moment der Affirmation aus den Augen lassen. Bilder lassen sich auf Flickr tausendfach finden. Die Gruppen, in denen sie gesammelt werden, tragen Namen wie “dancing mauntain“, “TRIANGLE LOVE LIGHT“, “DEAR WWWOLF” oder “We Are Rebels“. Man könnte diese Aufzählung noch ewig weiterführen.

Flickr als momentan beste Möglichkeit Fotocontent zu organisieren bietet hierbei nur die Grundlage für ein viel größeres Phänomen, welches auf Tumbler oder We Heart It als auserkorene Sammelstellen von Internetimpressionen, nochmal eine Multiplikation erfährt. Die Bilder tragen sich selbst weiter, sobald sie im Longtail zu finden sind und solange sie in ihrer Form den notwendigen Bedingungen der Generation Spiegelreflex entsprechen.

Dadurch bedingt sich die bewusste Aufhebung der Grenzen zwischen privatem und öffentlichem Raum. Man trägt das Private nach außen, weil man vielleicht der Meinung ist, dass nur durch das private, echte Leben, welches man selbst lebt, der Authentizitätsanspruch, der gleichzeitig von außen an das Individuum herangetragen wird, erfüllt werden kann.

Es ist der Drang mitzuwirken, der einen in die Öffentlichkeit treibt.
“I Like” als perfekter Ausdruck von Affirmation.

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“Sendungen, die man hauptsächlich kennt, weil man zuhause krank im Bett liegt und im Fieberwahn nichts Besseres zu tun hat, als Fernzusehen” wäre in meinem Falle eine noch zu niveauvolle Schublade für das ZDF-Morgenmagazin, denn selbst wenn man im Bett gefesselt ist, guckt man sich diese Sendung nicht an. Das geht nur Sonntags bei Oma.

Und dann tritt eben dort einer der Herzmenschen auf, dessen Musik zu den emotionalen Konstanten zählte in den letzten Monaten und das wirklich Erstaunliche an diesem Auftritt ist nicht, wie Gisbert als menschlicher Wärmepol in diesem ganzen kalten, auf Klischees aufgebautem Studiogarten wirkt, sondern wie unangenehm es manchen Menschen ist, in dem Moment in dem die Musik sie wirklich berührt, von einer dicken Kamera gefilmt zu werden.

ZDF-Mediathek: Gisbert zu Knyphausen live im Moma-Café

Das Problem ist: Ich habe inzwischen einen Frame für das, was tagtäglich auf uns einstürmt.
Nennen wir ihn mal: Weheartit-Frame. Und mit Frame meine ich nicht das HTML-Frameset, falls das überhaupt noch irgendwo angewendet wird. Aber es soll hier ja gar nicht um technische Aspekte und Fortschrittlichkeiten gehen.
Es geht um Ästhetik.

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Aber zunächst einmal geht es um den Frame. Um den des Erving Goffman, dessen Werk “Frame Analysis” 1965 erschien. Das Ganze mal runter gebrochen, denn wir sind hier nicht im Soziologieseminar:
Der Frame ist der Rahmen, in dem wir etwas wahrnehmen. Es geht um kulturelles Vorwissen, die Vorprägung, die Erwartung. Wenn wir ins Theater gehen, dann ist das, was wir sehen, Theater, weil wir erwarten, dass wir Theater sehen. Auf der selben Bühne kann auch ein Konzert stattfinden. Dann gehen wir ins Theatergebäude, aber was wir sehen, ist ein Konzert. Weil wir wissen, dass wir uns für den Abend Konzertkarten gekauft haben.

In unserem Kopf also haben wir verschiedene Frames, ich stelle mir das mal so vor wie Dias, und bestimmte Reize bewirken, dass ein bestimmtes Dia vorgeschoben wird, was uns dann das, was wir wahrnehmen, unter gewissen Prämissen betrachten lässt.

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Der Weheartit-Frame hat sich entwickelt in mir, zwangsläufig, aufgrund der Massen an (Bild)informationen, die sich tagtäglich über uns ergießen. Das geschah natürlich unbewusst freiwillig. Sind nette Bildchen, man speichert sie ab, sie gefallen. Es sind täglich überbordende Mengen. Tumblr, Flickr, Weheartit, Fffound, you name it. Die Bilder, Texte, Filmchen bleiben nicht auf ihrer Plattform, sie werden weitergetragen, von diesem Tumblr in jenen Blog, von dort getwittert, bei Facebook ‘gelike-t’, die Prozesse muss man im Grunde ja niemandem erklären.

Und während der Weheartit-Strom durch meinen Kopf rauschte, entstand da ein Frame.
Sobald ich den Rechner anmache, sobald ich einen Blog anklicke, wird der Frame aktiviert. Alles ist schonmal gesehen, in irgendeiner Weise. Es geht gar nicht mehr darum, ob ein Bild auf mich künstlerisch wertvoll wirkt, ein Text poetisch.
Ich kann es alles nicht mehr lesen, sehen, hören, der Frame verhindert es. Ich stelle auf Durchzug, Es verschwimmt alles zu einem Brei.

Das Traurige ist, dass es eigentlich funktionieren könnte. Würde sich der Frame aktivieren, der sich aktiviert wenn ich ein Photoalbum durchblättere, dann wäre es etwas ganz anderes, einen Tumblr durchzuklicken.
Aber Goffmans Rahmen aktivieren sich unbewusst. Eigentlich helfen sie uns, Dinge einzuordnen, zu bewerten, sinnhaft erscheinen zu lassen.
Der Weheartit-Frame hat die eher umgekehrte Wirkung. Alles wird eins, Einordbarkeit obsolet, Sinn wird gar nicht erst erwartet. Und doch ist er irgendwie notwendig, aufgrund der Unmengen an Eindrücken, die sonst über einen herfallen würden. Die Vereinheitlichung durch den Weheartit-Frame beugt der totalen Reizüberflutung vor.

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Und dann blicke ich mich in meinem Zimmer um, an die Wand habe ich Worte gemalt, in meinem Kopf wird ein Bild daraus, welches – einmal durch Photoshop gejagt – auf einen Tumblr getragen werden könnte und von dort aus seinen Siegeszug um die Welt antreten würde. Mit Freunden sitze ich an einem See, in einem Park, auf einem Dach, es ist egal, ab und an aktiviert sich der Weheartit-Frame, bedeutungsschwere Worte drängen sich in meinen Kopf, sie entstehen in schwarzen Helveticalettern auf weißem Grund.

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