“I Like”
Pop hat sich überlaufen. Ob damit eine Entwertung einhergeht und man den Diskurs somit beerdigen kann, soll nicht die Fragestellung sein. Es geht eher um den Faktor der Multiplikation, bedingt durch das Internet. Natürlich geht die ganze Geschichte viel früher los, nämlich damit, dass immer weniger von dem was in Subkulturen entstanden ist, durch den technischen Fortschritt auch zwangsläufig an diese gebunden sein musste.
und das Allerschlimmste, das es gibt
sind Ex-Punkbands, die heute Popsongs
spiel’n und dir die Welt erklären
Kettcar – Warum eigentlich Indie-Charts, Digger?
Denn Subkulturen gehören zu einem großen Teil der Vergangenheit an. Heutzutage kann sich niemand, der eine breite Masse erreichen will, vom Pop freisprechen, denn was anderes bitte ist das Internet, wenn nicht Pop? Dass die Vielfalt entsprechend der partizipierenden Menge extrem groß ist und die Struktur des Internets einfach dazu einlädt Pop als grundsätzliches Kulturkonzept zu etablieren, in dem es zwar Nischen gibt, die aber aufgrund des Longtails für jeden jederzeit zugänglich sind, hat in Bezug auf die Funktionalität des Kulturgutes dazu geführt, dass es sich der Diktatur der vorherrschenden Popästhetik anzupassen hat, da es ansonsten keine Wahrnehmung erfährt.
Das kann ganz unterschiedliche Auswüchste annehmen, zum Beispiel in Form der Generation Spiegelreflex die sich einer popkulturellen Ästhetik unterwirft, die, irgendwo zwischen American Apparel Werbungen und dem eigenen Wunsch bei dem Ganzen noch authentisch wirken zu wollen, zu einem Konstrukt verkommt.
Eine Aneinanderreihung von Klischees, die sich aus abgeschnittenen Körperteilen und der sehnsuchtsvollen Romantisierung des eigenen Ideals zusammensetzen und dabei nie den Moment der Affirmation aus den Augen lassen. Bilder lassen sich auf Flickr tausendfach finden. Die Gruppen, in denen sie gesammelt werden, tragen Namen wie “dancing mauntain“, “TRIANGLE LOVE LIGHT“, “DEAR WWWOLF” oder “We Are Rebels“. Man könnte diese Aufzählung noch ewig weiterführen.
Flickr als momentan beste Möglichkeit Fotocontent zu organisieren bietet hierbei nur die Grundlage für ein viel größeres Phänomen, welches auf Tumbler oder We Heart It als auserkorene Sammelstellen von Internetimpressionen, nochmal eine Multiplikation erfährt. Die Bilder tragen sich selbst weiter, sobald sie im Longtail zu finden sind und solange sie in ihrer Form den notwendigen Bedingungen der Generation Spiegelreflex entsprechen.
Dadurch bedingt sich die bewusste Aufhebung der Grenzen zwischen privatem und öffentlichem Raum. Man trägt das Private nach außen, weil man vielleicht der Meinung ist, dass nur durch das private, echte Leben, welches man selbst lebt, der Authentizitätsanspruch, der gleichzeitig von außen an das Individuum herangetragen wird, erfüllt werden kann.
Es ist der Drang mitzuwirken, der einen in die Öffentlichkeit treibt.
“I Like” als perfekter Ausdruck von Affirmation.
Meine Rede.
Heute ist alles fancy, arty und catchy – weil alles bloße Oberfläche ist.
Die People photoshopen sich die Petticoat-Romantik in ihre quirky Werbeclip-Welt voll halbverwackelter Post-Polaroid-Ästhetik einfach hinein.
Neurosen sind Accessoires und Freaktum ist ein Glitzerjacket vom H&M.
Die Leute verballern mehr Zeit auf die Aussenwirkung ihrer “Ars Vivendi”, als auf die Lebenskunst selbst.
Das eigentlich krude am “I Like”-Hype ist ja, dass man gar nicht mehr “Anti” sein kann, weil gleich jemand kommt und “I Like” clickt.
“Laika” war der erste Hund im Weltall. – I Like!
pop hat sich /ver/laufen.
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