berge hinterlassen Spuren

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Mittwoch. Ein Frühstückstisch mitten in Berlin. Marianne und Rocco von berge sind meine Gäste. Es gibt Kräutertee, Wasser, Milch, Apfelsaft, 6 verschiedene Brötchensorten und diverse Dinge zum Drauftun. Das Rührei kommt gut an bei den beiden.

Wie beginnt ihr euren Tag am liebsten?

Marianne: Entspannt auf jeden Fall. Ausschlafen.

Rocco: Wenn ich meinen Tag beginnen könnte, wie ich wollte, würde ich jeden Morgen erst mal Yoga machen. Die Tage, wenn ich mich gleich morgens da hingequält habe, waren besonders toll – also da war ich dann richtig fit. Wenn das Yoga-Studio nicht so weit weg wäre und die Kurse schon um 8 Uhr beginnen würden und nicht erst um 10 – das wäre gut. In Australien gibt’s die Kurse um 6 Uhr morgens und danach kann man dann zur Arbeit fahren – eigentlich toll, die Idee.

Was gehört für euch zu einem guten Frühstück?

M: Irgendetwas, was Energie für den Tag gibt. Gestern habe ich mit einem Freund gefrühstückt. Wir haben ganz normale Sachen geholt, also Brötchen und Belag. Und ich dachte, ich mach mir mal einen Obstsalat, weil ich grad ein bisschen krank bin; da kann man ein bisschen was Gesundes ja gebrauchen. Den habe ich mir dann auch gemacht – mit Joghurt und so. Und danach war ich wirklich fitter, hatte richtig Energie für den Tag.

R: Bei mir gibt’s entweder so richtiges Junk Food – also gezuckerte Cornflakes und so etwas – oder nur gesunde Obstsachen.

Schlägt euch Aufregung auf den Magen?

M: Bei mir schon. Wenn ich aufgeregt bin, ist mir schlecht oder ich werde krank.

R: Oder beides.

M: Oder beides. Ich weiß noch, als wir nach München gefahren sind zu Jason Mraz (Anm.: berge haben am 23.06.2008 im Vorprogramm von Jason Mraz im Münchner Ampere gespielt), war mir morgens so schlecht, dass ich dachte, ich müsste kotzen, dabei hatte ich überhaupt nichts im Magen.

R: Ich bin ja nicht so ein Aufgeregter. Also, auf der Bühne werde ich dann schon nervös und nichts macht mehr, was es soll – meine Finger, meine Hände, mein Kopf. Ich hab’s mal vorher mit Yoga versucht und man wird da tatsächlich entspannter, aber dann wurde ich eher noch aufgeregter, weil man dann sensibler wird. Da kriegt man die eigene Stimmung mehr mit.

Fühlt ihr euch fit für den Auftritt im Lido?

M: Ich bin jetzt in diesem Stadium, wo ich mir sage, ich freu mich einfach drauf. Wenn jetzt noch irgendein Fehler passiert, dann mach ich mich auch nicht mehr verrückt.

R: Dann kann man’s nicht mehr ändern. Wir haben uns jetzt wirklich doll vorbereitet. Gestern bei der Probe gab es so einen Moment, wo ich mich fragte, warum das jetzt eigentlich noch mal geprobt wird. Ich glaube, ich habe noch nie in meinem Leben eine bestimmte Anzahl von Songs in derselben Reihenfolge so oft hintereinander gespielt. Die Rolling Stones tun mir diesbezüglich ein bisschen leid.

Wie lange habt ihr auf dieses Konzert hingearbeitet?

R: Dass wir eine Record Release Party machen, war schon klar, seit wir angefangen haben, an dem Album zu arbeiten – also seit zwei Jahren. Der Moment, als wir uns allerdings entschieden, die Party im Lido zu machen, ist jetzt ungefähr fünf, sechs Monate her.

Was gab es dafür alles zu tun?

R: Das war ein Vollzeitjob. Wir sind die Veranstalter. Wir organisieren das gesamte Konzert vom Mann hinter der Kasse bis zum Crew-Catering. Die ganze Werbe-Sache machen wir auch selbst. Es wird Videomitschnitte geben, womit wir eine DVD erstellen wollen. Auch viele der Licht- und Ton-Aufgaben haben wir selbst übernommen. Außerdem haben wir Videoanimationsfilme, die auf der Bühne dann zu sehen sind. Es gibt einfach ziemlich viel zu koordinieren, weil so viele Menschen zusammenarbeiten. Wir haben auch einen Chor und ein paar Gastmusiker, die uns dann auf der Bühne unterstützen.

Seid ihr glücklich mit eurem Album?

M & R: Ja.

R: Also, mit dem, womit wir angefangen und was wir fertig gestellt haben, ja. Aber nach zwei Jahren würde man einiges anders machen, neue Sachen dazubasteln.

M: Irgendwie möchte man aber auch gar nicht darüber nachdenken. Es ist jetzt einfach da und…

R: Es ist ein bisschen so, als würde man alte Fotos angucken.

M: Ich würde im Nachhinein nichts mehr anders machen wollen.

R: Wobei wir für die Café-Konzerte noch ein paar Veränderungen vorgenommen haben. Das war ganz witzig, hier mal einen Teil rauszunehmen, da mal den Refrain irgendwie anders zu spielen.

Gibt es eine Anekdote zur Aufnahme?

R: Es gibt da eine Geschichte. Die hatte mit Drogen zu tun. Wir zwei hatten, um uns in einer Riege mit den traditionellen Musikern zu fühlen, am ersten Tag der ersten Gesangsaufnahmen Hasch-Kekse mitgenommen.

M: Und wir nehmen sonst nie Drogen!

R: Deshalb wollten wir ein bisschen Musik machen und schon mal etwas aufnehmen und dachten uns, wir nehmen dann mal Drogen, um das Klischee zu erfüllen. Das ging natürlich total in die Hose. Danach wurden wir dann belehrt, dass man diese Kekse sehr ernst nehmen muss. Und wir haben die überhaupt nicht ernst genommen, gegessen, gegessen, gegessen…

M: Hat nicht gewirkt, ach, essen wir mal den Teller auf…

R: Danach waren wir 48 Stunden lang total stoned. Nach drei Stunden drehte sich alles, wir sind im Studio umhergerannt wie Aliens. Ich wollte einen Freund anrufen, habe bestimmt fünf Minuten gebraucht, um die Nummer zu wählen. Dieser Freund kam zufällig vorbei und ich habe einen totalen Film geschoben, warum der, den ich grad anrufen wollte, jetzt plötzlich vor mir steht. Also, das war unsere erste Drogenerfahrung – also im entsprechenden Alter – und in Kombination mit unseren ersten Aufnahmen. Aber sonst nur Yoga, ja? Das ist die Moral von der Geschichte.

M: Ich muss kurz dazu in den Raum werfen, dass die andere Hälfte der Band kein Yoga macht.

Erzählt mir von eurem Album! Wie ist es? Welchen Charakter hat es?

M: Es ist schizophren.

R: Die Songs sind sehr unterschiedlich.

M: Ausgereift.

R: Durchdacht. Viel arrangiert. Ein Ton zu wenig Intuition. Wobei das auch gar nicht unser Ziel war. Romantisch ist es auch.

M: Dramatisch. Emotional.

Welchen Hintergrund hat das Outfit eurer Homepage, eurer Bandfotos, eures Albums?

M: Wir wollten etwas Besonderes machen, weil wir unser Album auch als etwas Besonderes empfinden, wollten nicht einfach irgendwie aussehen, irgendwelche Klamotten tragen bei den Aufnahmen der Fotos. Wir wollten dem Ganzen eine Linie, ein Corporate Design geben und da musste auch die Kleidung passen.

R: Wenn man sich Bands oder etwas anderes auf der Bühne oder auf der Leinwand oder im Fernsehen ansieht, ist das Entertainment. Wenn ich mir Bands angucke, ist der größte Entertainmentfaktor die Action. Da wir als Musiker in der Band nicht solche extrovertierten Personen sind, ist bei uns dennoch Stück für Stück das Bedürfnis gereift, noch Ebenen zu finden, die das Publikum – sei es ein Plakatbeobachter oder ein Konzertbesucher – unterhalten, wie im Kinofilm. Dadurch kam die Idee zu sagen, man macht Animationsfilme auf der Bühne oder man gibt allen Teilen noch mehr Details und noch mehr Liebe. Alles zusammen, die Musik, die Filme, das gesamte Artwork zusammen ergibt am Ende einen Sinn. Da auf dem Album wie bei einem Hörspiel im Hintergrund auch relativ viel Rummel zu hören ist, haben wir uns für die Wiese und das Riesenrad entschieden. Und wer genau hinguckt, kann die vier verschiedenen Entertainer in uns erkennen: den Theaterleiter, die Sängerin, die Blumen verteilt, den Künstler mit seinem Schal, und den Weltenbummler.

Was wünscht ihr euch für die Record Release Party?

M: Dass wir mit einem positiven Gefühl, mit guter Laune da rausgehen. Wir möchten die Menschen beeindrucken, wünschen uns, dass ein paar Leute kommen, die uns dann gut finden.

Wie geht es für euch danach weiter?

R: Wir werden weitere Konzerte spielen. Ansonsten wollen wir auch mit weiteren Leuten zusammenarbeiten. Vielleicht finden wir eine Booking-Agentur, PR-Firma oder ein Management vor allem. Aber da machen wir uns nicht verrückt. Auf jeden Fall arbeiten wir danach an neuer Musik, vielleicht beginnen wir schon übermorgen mit den Vorbereitungen auf eine neue CD. Wir können ja nicht anders. Wir müssen einfach Musik machen.

Die Record Release Party zum neuen und ersten berge-Album „Keine Spur“ findet am 14. Mai 2009 im Berliner Lido statt. Eine Karte kostet im Vorverkauf 12,50 EUR. Sie gilt gleichzeitig als CD-Gutschein für das Album. An der Abendkasse kostet der Eintritt erschwingliche 10 EUR. Unterstützt werden berge von Elikan Dew und Valentine, die ebenfalls nicht verpasst werden dürfen. Die ersten Töne werden gegen 20 Uhr erklingen.

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