Eine Handvoll Fragen…
… an Silke Werzinger.
In ihrem Regal wartet das Buch, für das sie ihr Diplom mit Auszeichnung bekommen hat, darauf veröffentlicht zu werden. Diverse deutschsprachige Publikationen haben sich auf ihr Gespür und ihren Stil verlassen. Und auf ihrer Internetseite kann man sich für Stunden verlieren. Nun ist es an der Zeit ihr ein Paar unbedarfte Fragen zu stellen.
Die Kunst, kommt sie aus deinem Elternhaus, oder ist sie eine eigene Entdeckung?
Meine Eltern hatten keine Verbindung zu Kunst oder Design, haben mich in meinem Interesse dafür aber immer unterstützt und nie versucht, mich in eine andere Richtung zu drängen. Ich zeichne, ganz klischeehaft, seit ich denken kann. Schon als Kind hatte ich einen Extratisch zum Zeichnen in meinem Zimmer stehen und seit ich ungefähr 10 Jahre alt war, wollte ich später irgendwas mit Graphik und Zeichnen machen. Damals wusste ich noch nicht, wie sich das genau nennt, aber mir war klar, dass das mein Beruf werden sollte.
Wer hat dich beeinflusst?
Ich habe mich schon immer für Kunst und Design interessiert und mir dadurch vieles angesehen. 2005 bin ich dann für ein Semester nach Berlin gegangen, um dort ein Praktikum in einer Illustratorengemeinschaft zu machen. In Berlin habe ich einen riesigen Input an verschiedenen Eindrücken und Stilrichtungen bekommen und wurde durch die Stadt und die Menschen, die ich dort kennenlernen durfte, sehr inspiriert. In dieser Zeit habe ich auch angefangen, mir bewusst einen eigenen Stil zu erarbeiten und mich mehr und mehr auf Illustration zu konzentrieren. Diese Zeit hat mich definitiv sehr beeinflusst und ist für mich sehr wertvoll.
Wie würdest du deinen Stil beschreiben?
Ich kann sagen, was mir wichtig ist und was ich mag, das kennzeichnet dann wahrscheinlich auch meinen Stil. Ich mag skizzenhafte Zeichnungen und handgemachte Sachen. Ich mag kleine Details, Zweideutigkeiten in Bild und Wort, das Zusammenspiel von Figur und gezeichnetem Text, harmonische Farben und eine haptische Anmutung. Ich mag Bilder, in denen man etwas entdecken kann und Bilder, die eine Reaktion hervorrufen. Am Besten ein Lächeln.
Wo nimmst du deine Inspiration her?
Aus nichts Bestimmtem und wahnsinnig vielen Dingen gleichzeitig. Kleinigkeiten im Alltag, Gespräche mit Freunden, Menschen auf der Straße, lebendige Orte, Magazine, Bücher, Besuche auf dem Flohmarkt, Musik, mal ganz laut, mal ganz leise, in den Himmel kucken, den Gedanken freien Lauf lassen und entdecken was passiert.
Aufgeräumt, oder unordentlich? Wie sieht dein Arbeitsplatz aus?
Chaos. Mein Arbeitsplatz ist sehr bunt, voller Bilder, Fundstücke und Zeichnungen. Das mag ich.
Sind Arbeitsplatz und Wohnraum getrennt, oder sind die Grenzen fließend?
Mein Arbeitsplatz befindet sich in meiner Wohnung in einem separaten Arbeitszimmer. Die Grenzen sind trotzdem fließend, da Computer und Bett nur wenige Meter voneinander entfernt sind. Das hat seine Vorteile, grundsätzlich aber eher seine Nachteile, weswegen ich mir in den nächsten Monaten auch einen Raum in einer Ateliergemeinschaft suchen möchte.
Kannst du Arbeit und Freizeit von einander trennen?
Ich versuche es. Allerdings ist das nicht wirklich einfach, da mir dann doch wieder irgendeine Idee in den Kopf schießt, die mich spätabends noch mal an den Computer gehen lässt. Ich liebe was ich tue und verbringe dadurch auch einen Teil meiner Freizeit damit, in Ausstellungen zu gehen oder mir Magazine und Bücher anzusehen, die mit meiner Arbeit zu tun haben. Es ist aber auch wichtig, mal was ganz anderes zu machen und abzuschalten.
Geht das in der Kunst überhaupt? Siehst du dich als Künstler?
Ich persönlich sehe mich eigentlich nicht als Künstler. Kunst hat für mich eher Selbstzweck, was bei Illustration ja weniger der Fall ist. So genau habe ich meine Position aber auch noch nicht definiert. Seit zwei Jahren arbeite ich als freie Illustratorin, bis vor Kurzem war ich Studentin, jetzt bin ich Diplom Designerin.
Bist du ein Workaholic oder doch eher das Gegenteil?
Ganz klar Workaholic. Ich versuche aber in letzter Zeit ein gesundes Mittelmaß zu finden. Mein Perfektionismus steht mir da allerdings machmal im Weg.
Was einem relativ schnell bei deinen Werken auffällt ist, dass du sehr oft die Farbe Blau benutzt. Wie viele Kugelschreiber und sonstige Blaustifte finden sich gerade an deinem Arbeitsplatz?
Unzählige. Wobei die Hälfte wahrscheinlich nicht mehr funktioniert. Im Aussortieren bin ich nicht sehr gut…
Wo krieg ich ‚Pimp My Life‘ her? Nach den Bildern auf deiner Seite und der kurzen Beschreibung, die ich bei deinem Institut gefunden habe, verzehrt es mich fast nach der Lektüre.
Vielen Dank. Darüber freue ich mich natürlich sehr. In “Pimp My Life” steckt wirklich sehr viel Liebe und Herzblut, es ist für mich eine sehr wichtige Arbeit. Im Moment muss man sich leider noch mit den Bildern auf meiner Website zufrieden geben. Ich hoffe natürlich, dass die Arbeit verlegt wird und kein tristes Dasein in meinem Bücherregal fristen muss. Diesbezüglich bin ich gerade auf der Suche nach einem geeigneten Verlag.



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